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 Echt valsch - DAS Manifest
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Norel


Faroe Islands
32 Beiträge

Erstellt am: 24.07.2002 :  15:43:53   Profil anzeigen  Autor eine Email senden  Antwort mit Zitat
Echt valsch



Wenn wir die Wahl hätten...

würden wir uns nicht lieber einen "echten Chagall" statt eines gefälschten schenken lassen?

würden wir jedoch im Gegensatz dazu in unserer Brust nicht eher ein künstliches Herz schlagen lassen als gar keines?

und würden wir wirklich wissen wollen, ob das Turiner Grabtuch tatsächlich das Gesicht Jesu zeigt?



Wir sind umgeben von künstlichen Haustieren, die bellen und Gassi gehen müssen. Betörende Düfte im Joghurtbecher lassen uns an Früchte denken, obwohl sie mit diesen nur noch wenig gemeinsam haben. Wir blicken in blaue Augen, die in Wahrheit braune sind. Seltsam, warum uns echtes Gold fasziniert... und wir enttäuscht sind, entpuppt sich ein Kunstwerk als Fälschung. Und wieso kämen nur Kinder und Narren auf die Frage, wie man echte Gefühle auf ihre "Echtheit" untersucht?

Worin liegt der Reiz des Echten? Was macht das Echte überhaupt aus?



Zwischen Sein und Schein


Die Frage nach der Echtheit - von Alltags- und Kunstgegenständen, von Nachrichten, Bildern, Dokumenten, gar von Gefühlen - ist ein Phänomen, das unseren Verstand und unsere Emotionen herausfordert. Doch wer über Echtes spricht, kann auch am Unechten nicht vorbei. Denn oft genug läßt uns gerade das Künstliche, der Ersatz oder die Kopie den Wert des Echten erkennen. Doch die Grenzen zwischen "echt" und "falsch" sind fließend. Unser Leben spielt sich in dem Bereich zwischen Sein und Schein ab, läßt uns Glücksgefühle und Enttäuschungen erleben. Ob Kunst, Wissenschaft, Religion oder Umwelt - die Lebensbereiche, in denen wir mit der Welt des Echten und Unechten konfrontiert werden, sind im wahrsten Sinne grenzenlos und diffus. Diese Welt zeigt sich als wahr und falsch, als gefälscht und manipuliert, als original und Ersatz, als natürlich und künstlich. Im Industrie- und Computerzeitalter hat sich die Frage nach dem Echten aus dem Bereich des Gegenständlichen, dem im eigentlichen Sinne "Greifbaren" gelöst und stellt sich in nahezu allen Bereichen des menschlichen Lebens. Was echt ist (oder echt zu sein scheint) kann heute - wie früher - über Reichtum und Armut, ja über Krieg oder Frieden entscheiden. Der Umgang mit den vielfältigen Dimensionen des Echten ist zu einem der mächtigsten Werkzeuge der Manipulation und Meinungsbildung geworden.



Betrogene Welt


Die Welt will ja bekanntlich betrogen sein. Vielleicht ist sie daher voller Fälschungen: Rolex-Uhren, Stradivaris, Briefmarken, Gemälde, Manuskripte, Unterschriften, Medikamente, Parfum, Kleidung. Wen wundert es da noch, daß Karl May seine Biographie "geschönt" und Papst Stephan II. die "Konstantinische Schenkung" erfand? Nicht einmal auf Rom scheint noch Verlaß, denn Skulpturen und Großplastiken in Italiens Hauptstadt wurden im Laufe der Zeit ausnahmslos gegen abgasresistente Imitate ausgetauscht. Daß im Jahre 1996 hunderte Kinder auf Haiti durch "Fiebersirup" starben, der aus Frostschutzmitteln hergestellt wurde, ist ebenso Tatsache. Es wird nichts produziert, das nicht gefälscht wird. Heute werden an den staatlichen Grenzen dieser Welt täglich zigtausende gefälschter Ausweise sowie Produkt- und Markenfälschungen mit Verkaufswerten in Milliardenhöhe beschlagnahmt. Die fast schon sprichwörtliche Rolexuhr am Strand von Mallorca wird nur deswegen produziert, weil es genügend Käufer für die Billigversion des Luxus gibt.


Von Büstenhaltern und Wembley-Bällen


Wie schnell die Aura des Echten entstehen kann, zeigen Gegenstände von berühmten Personen in Museen und Sammlungen. Oft genügt alleine das Wissen um die Echtheit einer einfachen Tasse, um deren Wert und unsere Emotionen in die Höhe zu treiben. Ein banales Alltagsobjekt wird plötzlich zum begehrten, kostbaren Sammlerstück, wenn es von einer bekannten Persönlichkeit stammt - unabhängig davon, ob es sich um einen Büstenhalter aus dem Besitz der Pop-Ikone Madonna oder um die Haarlocke des legendären Findelkindes Kaspar Hauser handelt. Im Gegenzug verlieren Objekte an Aura und magischer Anziehungskraft, wenn sie als Fälschung oder Kopie enttarnt werden. So warben bis 1997 gleich drei englische Museen gleichzeitig mit einem ganz besonderen Objekt: dem sogenannten "Wembley-Ball", der im WM-Finale von 1966 zwischen Deutschland und England durch die Frage "War der Ball hinter der Torlinie?" Berühmtheit erlangt hatte. Als sich Ende der 90er Jahre zwei der Bälle als "falsch" herausstellten, verzeichneten die beiden betroffenen Museen massive Besucherrückgänge.


Macht durch Bilder


Die Möglichkeiten zur perfekten Nachahmung gehen jedoch weit über den materiellen Bereich hinaus. Insbesondere die digitale Bildbearbeitung hat zu einer ungebremsten Bilderflut geführt. So erschien vor einigen Jahren eine Zeitschrift aus dem Bereich der Yellow Press mit einem Bild von Caroline von Monaco und ihrem neugeborenen Baby. Das Bild erweckte den Eindruck, als sei es zu diesem Anlass entstanden. Daß das gekonnt in Szene gesetzte Baby gar nicht das der monegassischen Prinzessin sein konnte, beruhte auf der schlichten Tatsache, daß es zum Zeitpunkt der Bildveröffentlichung noch gar nicht geboren war. Trotz einer Gegendarstellung und hohen Schadensersatzleistungen zu einem späteren Zeitpunkt hatte der Verlag mit der vorweggenommenen Geburt enorme Verkaufszahlen erzielt.

Heute sind solche Bildmanipulationen mit Hilfe einfacher Programme auf jedem Heimcomputer möglich und erfreuen sich großer Beliebtheit. Während manch sympathische Fotofälschungen angeblichen Ufobeweisen dienen sollen oder der Existenz von "Nessie" (des wohl beliebtesten Monsters der Welt), wurden sie bereits früh als perfides Mittel zur Beseitigung missliebiger politischer Gegner eingesetzt. So stand in Diktaturen die Fälschung von Bildern der traditionellen mündlichen Propaganda in nichts nach. Zu den legendärsten zählen bis heute eine Reihe im Auftrag Stalins manipulierte Fotos. Ganze Heerscharen von Fotografen leisteten bei der Retusche an Fotografien ganze Arbeit mit den zeitgenössischen Mitteln wie Schere und Klebstoff. So wurden ermordete oder in Ungnade beseitigte Personen auf Fotos einfach wegretuschiert und damit neue Machtordnungen demonstriert. Dennoch zeigen erhaltene Fotos in der "bearbeiteten" Version noch so manches mal eine bei der Bearbeitung "vergessene" Fußspitze eines politischen Gegners...

Die unbegrenzten Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung und Erschaffung von Bildern am Computer werden heute in Werbung und Film exzessiv genutzt und dienen in erster Linie der Unterhaltung. Schnelle Rechner erwecken Dinosaurier zu neuem Leben und lassen Schauspieler publikumswirksam zu Monstern mutieren. Während das Publikum noch zu Anfang der Achtziger Jahre solche täuschend echt wirkenden Effekte staunend zur Kenntnis nahm, erwartet es heute gähnend solch perfekten Animationen und legt damit die Meßlatte für gigantische Spezialeffekte immer höher.


Fast echte Brüste


Auf eine publikumswirksame Verortung auf der Grenze zwischen Realität und Fiktion haben sich heute eine Vielzahl an Fernsehsendern eingelassen. Eine Flut an täglichen Talkshows hat mittlerweile dazu geführt, daß für sogenannte "Realityshows" bezahlte Laienschauspieler angeheuert werden, um mit ihren "wahren" Erlebnissen und intimen Beichten ein Millionenpublikum zu unterhalten. Daß fast alle Lebensbeichten von mehr oder weniger begabten Redakteuren frei erfunden sind, tut dem enormen Erfolg solcher Sendungen keinen Abbruch. Zu den beliebtesten Themen zählen Schönheit und Attraktivität. Längst bedient sich die Medizin einem Ersatzteillager, in dem künstliche Hüftgelenke und Glasaugen nur die (Nasen)-spitze bilden. Werden solche Körperersatzteile noch als segensreiche Errungenschaft positiv bewertet, verhält es sich vor allem bei Silikonbrüsten anders. Mit vergleichsweise einfachen kosmetischen Eingriffen können Menschen derart verändert werden, daß sich Mütter und Töchter zumindest äußerlich kaum unterscheiden. Diesem gesteigerten Interesse an medizinisch-kosmetischen Eingriffen tragen immer mehr Sendungen Rechnung. Im Versuch, die Antwort auf die letzten offenen Fragen der Moderne zu ergründen, wird der Zuschauer mit Hinweisen auf die körperlichen Veränderungen von Stars und die Frage, was wohl noch "echt" an ihnen sei, bombardiert. Während Schönheitsoperationen früher allerdings einer wohlhabenden Elite vorbehalten waren, sind sie seit Jahren auch für Normalsterbliche erschwinglich. Ob es sich dabei um ein Paradebeispiel eines gesunkenen Kulturgutes handelt, mag dahingestellt bleiben...

Daß aber auch auf andere Art ästhetisiert werden kann, zeigt ein Blick in eine real existierende "Po-Hand-Fuß-Haar-Double-Kartei" der Filmfabrik Hollywood. Mit deren Hilfe werden bei entsprechenden Szenen die weniger ästethischen Körperteile der weiblichen und männlichen(!) Filmstars durch Doubles mit wohlgeformteren ersetzt. Dabei verpflichten sich die Statisten vertraglich zu Stillschweigen über ihren Einsatz.


Echtes hilft Glauben


Je wertvoller, seltener, begehrter etwas ist, um so größer ist der Reiz zur Reprodution und Fälschung. Dies war früher nicht anders als heute. Falschmünzerei etwa, Bierpanscherei oder Urkundenfälschung, um sich Rechte und Besitz zu sichern, waren bereits mittelalterliche Phänomene und die Vorläufer heutiger Auswüchse einer weltweiten Fälschungsindustrie. Der "Nebenberuf" als Reliquienfälscher entstand wegen der enormen Nachfrage bereits im frühen Mittelalter. Nahezu alle Reliquien, die heute in katholischen Kirchen und Klöstern aufbewahrt werden, sind Fälschungen. Sie waren und sind ein immenser Wirtschaftsfaktor, denn immer noch gelten Orte mit "echten" Überbleibseln Heiliger als beliebte Wallfahrtsorte opferbereiter Pilger. Angesichts des inflationären Auftauchens angeblicher Reliquien hob selbst die katholische Kirche offiziell die bis 1983 drohende Strafe der Exkommunikation für Reliquienfälscher auf.


Mona Lisa zum Verschicken


Fest steht: die vielfältigen objektiven wie subjektiven mit dem Phänomen des Echten verbundenen Dimensionen sind ein sich ständig veränderndes Spannungsfeld. Es hängt mit unserer Wahrnehmung, vor allem aber mit sich verändernden Wertmaßstäben zusammen. Das Echte an sich gibt es nicht, es ist immer eine soziale Konstruktion. Echtes Geld etwa ist echt, weil es als solches autorisiert ist,es ist also nur echtgesprochen. Und um eine Lanze für das Unechte zu brechen: wir brauchen es, um dem materiellen oder ideellen Wert des Echten unsere Wertschätzung entgegenzubringen. Doch unsere Wertmaßstäbe sind wie wir selbst. Sie können sich verändern, sich sogar widersprechen und spiegeln doch auf ihre Art die faszinierende Welt des Echten wider. Zwar können wir erregt sein von der Perfektion des Nachgeahmten - das Authentische erreicht uns auf positive und negative Weise tiefer, nachhaltiger, emotionaler. Wer im Computerspiel Krieg "spielt", weiß und spürt nichts vom empfundenen Entsetzen auf dem realen Schlachtfeld. Auch kann uns etwa die Einmaligkeit eines Kunstwerkes dessen schöpferische Kraft spüren lassen - im Gegensatz zur "schöpfungsfreien" Nachahmung. Es wird ein gewaltiger Unterschied bleiben, ob wir Da Vinci's "Mona Lisa" als Original bewundern dürfen oder sie als Postkarte verschicken. Kurioserweise jedoch handelt es sich auch beim vermeintlichen Original im Louvre aus Sicherheits- und konservatorischen Gründen um eine hervorragende Kopie! Oder ist dies etwa gar nicht wahr?


Netzmythen


Selbstverständlich ist gerade das Internet nicht frei von erfundenen Geschichten und Mythen (daher der Begriff "Netzmythen"). Der Begriff des Pseudonyms, des erfundenen Ichs, hat eine völlig neue Dimension und Akzeptanz erfahren. Viel leichter als im Alltag können durch die Anonymität neue Identitäten und Lebensläufe kreiert und einer weltweiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Doch neben einem eher spielerischen Umgang mit Wahrem und Falschem existieren auch dunkle Bereiche. So gilt es beispielsweise in bestimmten Kreisen als "gesicherte" Tatsache, daß im Internet sogenannte echten "Snuff"-Videos und -Bilder kursieren. Dabei handelt es sich um eine besonders morbide und makabre Abwandlung moderner Sagen (sog. "Urban Legends"). Angeblich zeigen diese Bilder echte Aufnahmen von Tötungshandlungen während des Sexualverkehrs. Obwohl nichts auf die Existenz derartiger realer Bilder hinweist, kursiert eine Unmenge an gefälschten Bildern solcher Art. Es braucht nicht weiter erläutert werden, daß solche "gefakten" (engl: erfunden) Bilder sich an Scheußlichkeit überbieten und damit die "Echtheit" des erfundenen Phänomens beweisen sollen.


Kein Ersatz für Echtes?


Es verwundert nicht: der Kurs dessen, was auch nur den Hauch des "Originalen" zu haben scheint, steigt. Museen betrachten seit je her das Original als ureigenes Terrain. Dort steht der eigene Anspruch, das Echte im eigenen historischen Kontext zu dokumentieren, oft im Widerspruch mit Aspekten des Erhaltungszustandes und der Restaurierung. Auch die Werbeindustrie hat sich den Werten des Echten längst zugewandt. Da ist die Rede vom "echten Schwarzwälder Speck", von "Werthers Echten" oder einer Besonderheit von Leibnitz' Butterkeksen - laut Werbung "nur echt mit 52 Zähnen"! Vor Jahren warb ein bekannter Süßwarenhersteller sogar mit dem Slogan "Für das Echte gibt es keinen Ersatz".

Dem ist nicht mehr so.
Pardon, dem scheint nicht mehr so zu sein....








Die Ausstellung "Echt" - Kurzbeschreibung


Im Jahr 1999 zeigte das Stadtmuseum Lörrach eine vom Autor konzipierte Ausstellung über das Thema. Ziel war, die Vielfalt des Phänomens Echtheit an Beispielen aus unterschiedlichen Bereichen (gegenständlich, kulturell, sprachlich, Alltagserfahrung usw.) zu dokumentiern. Dabei sollte der Besucher angeregt werden, über seine eigenen Erfahrungen mit dem Thema nachdenken. Mit Beständen des Museums und zahlreichen Leihgaben von teilweise bekannten Persönlichkeiten und Institutionen präsentierte die Ausstellung drei auf den ersten Blick gestalterisch getrennte Themenbereiche:

1. Echtes in unmittelbarer Nachbarschaft zu Falschem
2. Manipulation, Kopie, Ersatz, Imitationen als Dimensionen der "Gegenwelt"
3. Künstliches als Wirklichkeit UND Zukunftsvision


In allen Bereichen und Subthemen wurde eine Vielfalt an historischen und modernen Exponaten gezeigt. Die Gestaltung hatte unter anderem das Ziel, durch Sehschlitze in Trennwänden den Blick auf die beiden jeweiligen anderen Bereiche möglich zu machen. So sollten die fließenden Übergänge zu den Dimensionen des Echten verdeutlicht und für den Besucher erfahrbar gemacht werden.

Gezeigt wurden in (1.) echte Objekte mit hohem historischen oder künstlerischem Wert wie Bilder von Picasso, Monet, Dali etc., Autographen (originale Handschriften) berühmter Persönlichkeiten (Friedrich der Große, Napoleon u.a.), aber auch entsprechende Fälschungen, teilweise selbst mit hoher künstlerischer Qualität (Beschlagnahmungen des Landeskriminalamtes Stuttgart in Millionenhöhe), Geld- und Ausweisfälschungen usw. Als Leihgeber "prominenter" Alltagsgegenstände wurden Ottmar Hitzfeld (Trainer Bayern München - Trenchcoat), Jan Ullrich (Radprofi - original Gelbes Trikot mit Unterschrift) und Jörg Kachelmann (prominenter TV-Wetterguru - Erste Wetterstation, Initialzündung zur "Wetterkarriere") gewonnen. Die Objekte erstaunten die Besucher ERST, nachdem sie über deren Besitzer informiert wurden, ein Beleg dafür, dass die Aura eines Gegenstandes erst durch eine bestimmte Information sinnlich wahrnehmbar wird - und damit ein banaler Gegenstand zu etwas Besonderem ("Wow, das ist wirklich das ECHTE Gelbe Trikot!")! DAS Gestaltungs- und Vermittlungsmittel war in allen drei Bereichen, die Objektbeschriftung zwar offen, ihre Echtheit oder Fälschung jedoch verdeckt (zum Aufklappen) anzubringen. So konnte der Besucher bei jedem Objekt selbst "entscheiden", ob er es zunächst als "echt" oder "gefälscht" beurteilte. An den unmittelbaren Vergleichsbeispielen "Echter Dali" - "Gefälschter Dali" konnte den Besucher die konkreten Unterscheidungsmerkmale erfahren (z.B. künstlich gealtertes Papier,zu moderne Farben u.ä.)

Im Bereich der "Zwischenzone" (2.) wurden Bildmanipulationen anhand historischer Fotos (Militärarchive), Werkstoffnachahmungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert , Schmuckimitationen, Lebensmittelsurrogate ("Kriegskaffee", fleischlose Würste etc.) u.a. gezeigt. Als (sinnvoller) Ersatz für den menschlichen Körper wurde ein tatsächlich verwendeter Crash-Test-Dummie gezeigt und die Frage nach dem "Ersatz" unter anderem mit einer aufblasbaren Sexpuppe aufgeworfen.

Im Bereich "Künstliches" (3.) wurden chemisch hergestellte Aromen an einer "Duftbar" präsentiert, die der Besucher in Duftpatronen ebenso auf ihre Echtheit beurteilen konnte. So wurden meist z. B. echter Blumenduft eher als "künstlich" beurteilt als das wirklich chemisch hergestellte Pendant! An virtuellen Haustieren (Tamagotchies, kleine Spielzeuge) konnten v.a. Kinder spielerische den Unterschied zu echten Tieren empfinden. Eine Vielzahl an Körperprothetik (Glasaugen, Hüftgelenke, Perücken, Herzschrittmacher usw.) und Objekte Künstlicher Landschaften (Blumen, Gras, Kunstschnee) rundeten diesen Bereich ab.

Echte Gefühle?

In einer "Kußzelle" wurden die Besucher mit der Frage nach "echten" Gefühle konfrontiert. Dabei handelte es sich um einen in angenehmes Rot getauchten Raum, der von außen nicht einsehbar war. Ein (echter) Apfel und zwei Texte waren die einzige Ausstattung. Während einer der Texte in einem romantischen Gedicht die Gefühle beim Kuss beschrieb, war der andere ein nüchterner wissenschaftlicher Text zur bioneuralen und vegetativen Seite des Küssens. In der Mitte des Raumes stand die Aufforderung "Tun Sie's doch". Die Erfahrung zeigte, daß sich tatsächlich auch wildfremde Menschen, die zufälligerweise gemeinsam den Raum betreten hatten, küssten und den Raum lachend verließen. Ob sie allerdings so etwas wie "echte" Gefühle dabei empfanden?

Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Aktionstagen (Vernichtung von beschlagnahmten Produktfälschungen), Vorträgen (zur Geschichte der Kunstfälschungen, zur Körperprothetik, zur Herstellung von Glasaugen, zur Frage nach der philosophischen "Wahrheit" usw. rundete die mit ca. 7000 Besuchern erfolgreiche und daher verlängerte Ausstellung ab. Ein immenses überregionales und ausschließlich positives Presseecho begleitete die Ausstellung.

norel
muellermails@aol.com

norel

Art Agens


Germany
163 Beiträge

Erstellt  am: 29.07.2002 :  20:36:31   Profil anzeigen  Autor eine Email senden  Besuche Art Agens's Homepage  Antwort mit Zitat
Norel, hi

superding, deine ausstellung

irgendwie schwingt da immer schon so das Wertende mit... oder die Frage steht dahinter, warum denn echt wertvoller ist als falsch? hab ich dich richtig? so mal über alles

Bestimmt nicht der Wert eines Echten auch seinen Preis? Und wenn das so ist, ich meine, Nachgemachtes kostet normal ja auch weniger als Originales? Da ist das ja kenntlich gemacht, und ich weiß das dann.

Welches Bedürfnis wird also befriedigt, etwas Echtes zu haben? Welcher Wert oder Nutzen steht dahinter? Mal so zum Nachdengeln *g* schön auf den Inseln grad, was? hach...

sehdich *A*
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Sylvus


Germany
266 Beiträge

Erstellt  am: 29.07.2002 :  22:04:14   Profil anzeigen  Autor eine Email senden  Besuche Sylvus's Homepage  Antwort mit Zitat
das leben hat keinen sinn es sei denn wir geben ihm einen ist dein zitat...

echt?
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Norel


Faroe Islands
32 Beiträge

Erstellt  am: 30.07.2002 :  23:12:12   Profil anzeigen  Autor eine Email senden  Antwort mit Zitat
schon, ja.
bin eben ein original, oder?



norel
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Sylvus


Germany
266 Beiträge

Erstellt  am: 31.07.2002 :  21:30:55   Profil anzeigen  Autor eine Email senden  Besuche Sylvus's Homepage  Antwort mit Zitat
Hm. Das alles noch mal gelesen - wirklich interessant. Aber würdest du nicht auch einen noch deutlicheren Unterschied ziehen zwischen einem Ersatz für etwas und einem künstlichen Gegenstand, der dieses "etwas" verdeutlicht oder mehr Möglichkeiten des Umgangs bietet?

Was sind denn z.B. diese Robothunde aus Japan genau, hast du davon gehört, ich glaube sogar daß sie von Sony kommen - die machen normal nichts Unvernünftiges. Oder die von dir angesprochenen Tamagotchies. Sind künstlich, aber ...die Gefühle... sind echt und das ist doch seltsam. Sie werden so herausgefordert. Ich meine, wenn ein kleines Felltier wirklich unvermutet so herumwuseln und krähen würde, wären die Kinder wahrscheinlich längst schreiend davongelaufen ;-)

hm ja, und das läßt mich wieder daran denken, daß "Puppen" eine recht späte Erfindung unserer Kultur sind - vielleicht siebzig Jahre älter als das Automobil? Das heutige Puppenbild, meine ich - das Süße.

Was ist da überhaupt noch echt? Oder war gerade das deine Frage...
...Gefühle? Vermutlich. Oder? Gz S

...glaubst du nicht, euren dritten Bereich könnte man noch ein wenig mehr "abrunden"?? ...
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Sylvus


Germany
266 Beiträge

Erstellt  am: 07.08.2002 :  13:31:13   Profil anzeigen  Autor eine Email senden  Besuche Sylvus's Homepage  Antwort mit Zitat
eh und bevor ichs vergesse und nachschauen muß

was ist MISANTHROPIE???

*gg* Sy
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Norel


Faroe Islands
32 Beiträge

Erstellt  am: 12.08.2002 :  19:55:12   Profil anzeigen  Autor eine Email senden  Antwort mit Zitat
naja, das mit der misanthropie (bzw. misanthropismus, das klingt aber eher wie ne krankheit) ist so gemeint:
ich hätte nix dagegen, wenn die gesamte menschheit endlich einsehen würde, daß das experiment gescheitert ist und als konsequenz sagen würde:
"tschüß, wir gehen"
und dies auch tun würde.



norel
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Sylvus


Germany
266 Beiträge

Erstellt  am: 10.09.2002 :  00:02:41   Profil anzeigen  Autor eine Email senden  Besuche Sylvus's Homepage  Antwort mit Zitat
Also manchmal wenn ich dein Bild klicke und in die Profilansicht komm, lese ich den Text "klicke für die Vollansicht" und da drauf seh ich dich.

Vollansicht... *hihi* jo

...mußte das nur mal eben so bemerken. Das Ende der Erde herbeirufen und gleichzeitig... echter leben. Da geht doch was nicht

glaub du mußt mir das nochmal erklären, wenn du zit hast die tache
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